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Einstieg in die Formel 1: McLaren Testfahrt

Im Jahr 1983 hatte Stefan Bellof einen Vertrag mit Willy Maurer für 10 Formel 2 Rennen, die leider aufgrund technischer Defekte und anderer unglücklicher Umstände nicht gut liefen. Viele nannten Stefan deshalb den Pechvogel des Jahres. Zeitgleich pilotierte er den Werksporsche 956K und konnte am Nürburgring die Rekordrunde von 6:11:13 min. erringen. Zur Mitte der Saison (Formel 1 GP Hockenheim) kam Stefan mit dem McLaren Teamchef Ron Dennis in Kontakt. Aus diesem Kontakt ergab sich später eine Testfahrt für das McLaren Formel 1 Team.

SB-Official: "1983 kam bei Jochen Holy (Firma Boss) die Idee auf, Stefan beim Grand Prix von Europa in Brands Hatch in einem älteren McLaren mit Ford Triebwerk starten zu lassen."

Goa: "Das war zumindest geplant. Aus dem Deal wurde dann leider nichts. Die genauen Hintergründe kenne ich nicht. Ich weiß nur, dass aufgrund dieser Pläne die Testfahrten in Silverstone angesetzt wurden mit den damals besten Nachwuchs-Fahrern Ayrton Senna, Martin Brundle und Stefan."

„Boss-Boß Jochen Holy will es sich 100 Tausender kosten lassen, dem Formel 2-Pechvogel des Jahres die Grand Prix-Premiere zu finanzieren.“
(aus brennpunkt, Ausgabe 1983-9)

SB-Official: "Inwiefern hat sich Stefans Porsche Werksvertrag auf seine Einladung ausgewirkt? McLaren wollte in der kommenden Saison schließlich mit Porsche Motoren fahren. Hat das einen Einfluss gehabt?"

Goa: "Das ist durchaus möglich, obwohl es ein Auftrag war, der extern bezahlt wurde. Mansour Ojjeh, der Miteigentümer von McLaren, hat das über seine Firma TAG gezahlt. Es war also ein Fremdauftrag. Porsche waren ja die Turbopioniere, kannten sich also mit den Turbomotoren am besten aus."

SB-Official: "Wie knapp ist diese Geschichte des vorzeigen Formel 1 Debuts damals gescheitert? Waren die Verhandlungen schon weit fortgeschritten und konkret oder eher ein Vorpreschen?"

Goa: "Soweit ich weiß war es schon ziemlich konkret, weil die Firma Boss sich nicht zu irgendetwas hinreißen lässt und etwas ins Blaue sagt. Die ganze Situation um diesen ersten Formel 1 Start war schon ziemlich gediehen. Es hat sich dann kurzfristig zerschlagen, vielleicht auch, weil man dachte, dass man es sich nicht leisten kann mit einem McLaren, der einen unterlegenen Fordmotor hat, anzutreten. Aber es kam ja erstmal zu der berühmten Testsession der drei Youngster."

SB-Official: "Das war am 27. Oktober 1983 in Silverstone. Dort ist Stefan um 11:42 Uhr in das Formel 1 Cockpit des McLaren geklettert. Wie war Stefans Stimmung vor der Testfahrt und wie waren die Vorbereitungen zum Test?"

Goa: "Natürlich war Stefan total aufgeregt und gespannt. Es war so, dass sich im Vorfeld konkretisiert hatte, dass diese Testfahrt stattfindet. Es wurde dann auch bekannt, wer an den Fahrten teilnimmt, dass da ein brasilianisches Wunderkind dabei sein soll. Stefan fragte mich, ob ich mit ihm dahin fliege. Ich habe gesagt: Selbstverständlich! Es war schon sehr interessant, auch für mich."

SB-Official: "Wann seid ihr in England gelandet? Wie war die Reise dorthin?"

Goa: "Wir waren einen Tag vorher, am Mittwoch, da. Es wurde damals schon McLaren-typisch alles hundertprozentig gemacht. Wir kamen am Flughafen an und wurden von einem McLaren Mitarbeiter abgeholt, der uns direkt in die Fabrik gefahren hat. Dort wurde nämlich der Sitz für die bevorstehende Testfahrt angefertigt. Stefan bekam für die Zeit in England außerdem ein Auto zur Verfügung gestellt, einen 3500er Rover. Am Abend sind wir in eine kleine Pension kurz vor Silverstone gefahren, haben da übernachtet und zu Abend gegessen."

SB-Official: "Wie war dein Eindruck von der McLaren Fabrik? Schließlich war McLaren bereits zur damaligen Zeit eines der Top Teams im Formel 1 Zirkus."

Goa: "Die Fabrik war ein Anblick, da war ich völlig geplättet! Ein OP-Trakt war gar nichts dagegen. Das war alles steril, kein Tröpfchen Öl am Boden oder sonst irgendwelche Schmutzpartikel. Alles wirkte hoch professionell, man merkte schnell, dass man bei einem Weltmeister Team zu Gast war. McLaren waren zudem die Ersten, die ein Carbonmonocoque gebaut haben. Die anderen Teams nutzten noch aus Aluminium genietete Monocoques. Vielleicht könnt ihr euch erinnern, dass John Watson 1981 einen schweren Unfall in Monza aufgrund dieses Carbonmonocoques weitgehend unverletzt überstanden hat."

„Das ist schon ein Spitzenteam. Rund 90 Menschen arbeiten dort, und alles ist perfekt organisiert und sauber – schon fast wie in einer Küche.“
(Stefan Bellof, aus der rallye racing, Ausgabe 1983-12)

SB-Official: "Habt ihr am Mittwoch bereits die anderen Fahrer getroffen?"

Goa: "Wir hatten nur Kontakt mit den Mechanikern und Projektmanagern, die dafür zuständig waren. Die anderen Fahrer haben wir überhaupt nicht gesehen. Am nächsten Tag sind wir dann zügig auf die Teststrecke gefahren. *lacht* Leichtes Warmup gemacht! Auf der Strecke war dann auch Ayrton Senna mit dem Globo TV Fernsehteam. Die Brasilianer haben damals den kompletten Aufstieg von Ayrton filmisch mitverfolgt. Ich glaube, die haben schon zu Kartzeiten über Senna berichtet."

SB-Official: "Wie war die Stimmung bei den Fahrern? Hat man miteinander gesprochen?"

Goa: "Es war schon so, dass wir da alle zusammen waren. Senna kannten wir ja bereits vom Kart her. Die haben sich also ganz normal miteinander unterhalten. Jeder hat natürlich geschaut, dass er einen guten Eindruck hinterlässt."

SB-Official: "Wie lief der Testtag dann weiter ab?"

Goa: "Es wurde erstmal das Auto gezeigt und erklärt. John Watson kam, hat das Auto warmgefahren und hat das Fahrzeug dann an die Drei übergeben. Soweit ich mich erinnere war Stefan der Letzte, der gefahren ist. Die anderen sind zuerst gefahren. Senna hatte nach wenigen Runden einen Motorschaden. Das Fahrzeug musste erst wieder gerichtet werden, was zu einem Zeitverzug geführt hat."

SB-Official: "Stefan erklärte, dass das Fahrzeug in den ersten Runden eher untersteuert hat. Es gab einen Reifenwechsel auf eine härtere Gummimischung, nach ein paar weiteren Runden wurde nochmal der Frontflügel verändert. Und dann kam die berühmte Szene, die später von der Presse aufgegriffen wurde."

„In der Woodcote-Schikane (hier reihen sich drei Kurven aneinander) schob der McLaren beim Einlenken in die Kurven stark über die Vorderräder, aber beim Herausbeschleunigen aus den Ecken brach dann das Heck aus. Da bin ich dann halt einmal, bis zum Anschlag eingelenkt, quer auf die Zielgerade gedriftet. So richtig wie der Walter Röhr.“
(Stefan Bellof, aus der rallye racing, Ausgabe 1983-12)

Goa: *lacht* "Ja, man konnte von den Boxen gut sehen, wie das Auto ziemlich quer aus der Ecke rauskam. Die waren schwer begeistert über Stefans Fahrzeugbeherrschung und wie er es bewegt hat. Man muss sagen, zu dem Zeitpunkt, als Stefan im Auto saß, war er der schnellste von den Dreien. Am Ende hat Ayrton nochmal weichere Reifen bekommen und ist dann schneller gewesen. Da waren wir aber schon weg, weil wir unseren Flieger zurück nach Frankfurt bekommen mussten."

Rundenzeiten der Testfahrten:

Fahrer Zeit Reifen
Brundle 1:14,7 min hart
Stefan 1:14,6 min hart
Senna 1:13,9 min weich

Wetterverhältnisse: Kalt

Vergleich Silverstone Rennen 1983:

Fahrer Zeit Startposition
John Watson: 1:15,6 min 24
Niki Lauda 1:14,2 min 15

Wetterverhältnisse: Juli, sonnig und warm
Im Vergleich wäre Brundle auf Platz 17 gestartet, Stefan auf Platz 16 und Senna auf Platz 14.

SB-Official: "Ron Dennis soll Stefan ein „Daumen hoch“ gezeigt haben. Gab es nach dem Test noch ein Feedback vom Teamchef?"

Goa: "Ron Dennis kam, nachdem Stefan aus dem Auto ausgestiegen ist und hat uns um eine Unterredung gebeten. Wir saßen dann im Restaurant, Ron Dennis, Stefan, ich und Olaf Meidt von der rallye racing war auch dabei. Mittwochabends stand letzterer plötzlich im Hotel. Stefan und ich wussten überhaupt nicht, dass jemand von der Presse kommt. Ron Dennis hat dann erklärt – und das weiß ich noch wie heute –: „Das, was wir heute hier besprechen, steht nirgendwo in der Zeitung, sonst darfst du hier nicht rein!“ Er war sehr zufrieden mit dem, was Stefan abgeliefert hat. Die Fahrt war klasse. Er wäre sich ganz sicher, dass Stefan seinen Weg gehen würde, nur eben nicht bei McLaren, weil die Konstellation es derzeit nicht hergäbe. Fazit war: Alles super, Stefan bräuchte sich keine Gedanken machen, er würde schon irgendwo einen Formel 1 Vertrag bekommen."

SB-Official: "Wie war dann der Rückflug nach Deutschland?"

Goa: "Der Rückflug war sehr unterhaltsam. Wenn Stefan und ich zusammen gereist sind, hatten wir immer Spaß. Er war zu der Zeit schon häufiger im Fernsehen gewesen, also nicht mehr ganz unbekannt. Nachdem die Stewardessen Stefan erkannt hatten, wurden wir von den Damen fürsorglich verpflegt. Wir haben gemeinsam ein wenig Wein getrunken. *lacht* Mich haben sie für seinen Manager gehalten. Alles in allem ein gelungener Trip mit einem ausgelassenen Heimflug."

SB-Official: "Hat Stefan darüber gesprochen, wie sich das McLaren-Auto fährt und wo die Unterschiede zu Porsche liegen?"

Goa: "Ja. Als er das erste Mal in die Box kam, sagte er, dass das Auto übersteuere und untersteuere, es wäre schrecklich. Damals gab es noch keinen Funk, sodass man wie heute direkt mit dem Ingenieur in der Box sprechen kann. Du bist noch in die Box gefahren und hast dann erklärt, was das Auto macht. Die Fahrzeuge waren auf die Stammpiloten Lauda und Watson abgestimmt, deshalb stimmte die Konfiguration für Stefan nun einmal nicht. So war das halt. Aber es ging ja auch darum, wie jemand, der noch nie in so einem Auto gesessen hat, damit zurechtkommt."

Der McLaren lässt sich sehr leicht fahren. Die Lenkung geht unheimlich leicht, das ist gar kein Vergleich mit meinem Porsche 956 aus der Endurance-Weltmeisterschaft, bei dem ich viel mehr und schwerer kurbeln musste. Kraft haben die beiden Autos etwa gleich viel […], aber mit dem McLaren kann ich viel später abbremsen und dadurch schneller durch die Kurven fahren als mit dem schweren Porsche. Der McLaren ist am besten vergleichbar mit dem maurer-BMW, den ich in der Formel 2 gefahren habe – sein Fahrverhalten ist gutmütig, aber der Grenzbereich kommt schlagartig.“
(Stefan Bellof, aus der rallye racing, Ausgabe 1983-12)

SB-Official: "Hat das Telefon nach dem Test geglüht? Wurde Stefan in seiner Formel 1 noch einmal auf die Testfahrt angesprochen?"

Goa: "Es war Business as usual. Die Teams wussten ja, dass das Ergebnis da war und Stefan nicht der Schlechteste gewesen ist. Damit ging es direkt zur Tagesordnung über."

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