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Norbert Singer: „Im Rennen war ihm die Jugend vielleicht ein bisschen zu toll“

Stefan Bellof war Langstrecken-Weltmeister 1984 auf dem Porsche 956. Durch seine Einsätze als Werksfahrer für die Stuttgarter sowie auf den Fahrzeugen von Brun Motorsport ist er auf besondere Weise mit dieser Marke und diesem Fahrzeugtyp verbunden. Zu den wichtigsten Leuten, die seinerzeit mit Stefan Bellof zusammengearbeitet haben, zählte Norbert Singer. Der ehemalige Porsche-Renningenieur war an insgesamt 16 Rennsiegen in Le Mans maßgeblich beteiligt und trat bei neun Gesamtsiegen als verantwortlicher Projektleiter auf. Wir befragten den am 16. November 1939 in Eger im Sudetenland geborenen Techniker zu seinen Erinnerungen an den unvergessenen Gießener Motorsportler. Singer sprach über das Talent Bellofs, das persönliche Verhältnis zueinander, über die Rekordrunde, mit der Bellof auf dem Nürburgring im Abschlusstraining zum 1000 Kilometer-Rennen 1983 Geschichte schrieb, über Michael Schumacher sowie über die dunklen Erinnerungen daran, wie die Karriere Stefan Bellofs endete. Sein Schlusswort gilt unserer Arbeit; darin lässt Norbert Singer erkennen, wie er unsere Arbeit einschätzt.

StefanBellofOfficial: Was sind die ersten Erinnerungen, die Sie mit Stefan Bellof verbinden?

Norbert Singer: Da gibt es einige. Ich erinnere mich daran, wie er als junger Fahrer zu uns kam, wie er zum ersten Mal das Auto kennenlernte und wie wir ihn kennengelernt haben. Das war damals in Paul Ricard und sein Talent war schon im Ansatz zu erkennen. Aber er musste sich auch erst noch eingewöhnen. Dann wurde aber im Laufe der Saison sein Potential abgerufen – wie man so schön sagt – und er war richtig gut, richtig schnell. Nur gab es in der damaligen Gruppe C ja dieses Verbrauchsthema und sein Partner Derek Bell musste immer das einsparen, was Stefan zu viel ausgegeben hatte. Aber ich glaube, das Team war gut, die waren darauf eingespielt und der Erfolg kam schließlich auch.

StefanBellofOfficial: Wie war Ihr persönliches Verhältnis zu Stefan?

Norbert Singer: Ich glaube, es war eher von Sachlichkeit statt von Freundschaft geprägt. Er hat mich immer ein bisschen als den Fahrzeugingenieur von Jacky Ickx und Jochen Mass angesehen und er hatte ja Walter Näher beziehungsweise den Klaus Bischoff. Aber wir kamen gut miteinander aus bei den Besprechungen nach den Trainings, was man am Auto macht, usw.; da lief die Zusammenarbeit sehr gut.

StefanBellofOfficial: Gab es etwas, was Sie an Stefan besonders beeindruckt hat?

Norbert Singer: Ja. Diese Art, spontan schnelle Runden zu setzen, zum Beispiel beim Qualifying. Das war schon sehr imponierend.

StefanBellofOfficial: Resultierte die Rekordrunde vom Nürburgring auf diesem Talent?

Norbert Singer: Ja, natürlich! Das hat ihn schon immer ausgezeichnet; auch schon, als er zu uns kam und gesagt hat, sein Ziel sei die Formel 1. Das war damals glaube ich eine wesentliche Voraussetzung, um einen Platz in der Formel 1 zu finden und zu halten. Heute sieht es ein bisschen anders aus. Aber damals war das sehr wichtig und das hat er eben gehabt.

StefanBellofOfficial: Die Rekordrunde ist jetzt 33 Jahre her. Ist sie Ihnen noch präsent?

Norbert Singer: Selbstverständlich. Aufgrund der großen Streckenlänge sind die Zeitunterschiede auf dem Nürburgring ein Mehrfaches von einer normalen Rennstrecke. Auf einer normalen Strecke hat man vielleicht eine halbe Sekunde Unterschied, aber da sind es plötzlich fünf Sekunden oder so. Das wussten wir schon, aber dann war er ja deutlich schneller, als wir zunächst erwartet hatten. Das war schon sehr eindrucksvoll. Im Rennen war ihm die Jugend vielleicht ein bisschen zu toll, da hat er mit etwas Gewalt dieses Überholmanöver gemacht und ist dann natürlich von der Linie weggekommen. Das war eine blöde Situation. Aber er hat sie ja gut überstanden.

StefanBellofOfficial: Die Saison 1984 stand dann unter einem anderen Stern. Da  haben Stefan Bellof und Porsche gemeinsam die Sportwagenweltmeisterschaft gewonnen. Einerseits hat er das Werksauto gesteuert und parallel zu diesem Programm ist er noch Einsätze mit dem Tyrrell in der Formel 1 gefahren, was heute fast unvorstellbar ist. Woran erinnern Sie sich aus dieser Zeit?

Norbert Singer: Dass er am Schluss Weltmeister wird, hat man bereits gesehen, es war also keine große Überraschung mehr für uns. Schließlich hat er eine ganze Reihe von Rennen gewonnen – zusammen mit Derek Bell natürlich, es ist schließlich ein Team-Thema. Es war also keine Überraschung, sondern eigentlich erwartungsgemäß, muss ich fast sagen. Wenn jemand so dominant in einer Saison ist, dann ist so etwas abzusehen.

StefanBellofOfficial: Wie sehen Sie den ersten September 1985? Es war ein schwarzer Tag damals.

Norbert Singer: Ich war damals gar nicht vor Ort. Zu dieser Zeit lag ich im Krankenhaus, weil ich in Hockenheim den Feuerunfall in der Boxengasse hatte. Ich habe es dann nur indirekt im Fernsehen gesehen. *pausiert kurz* Ich war erschrocken und bestürzt. Wie konnte das sein? Und dann bekam man immer nur scheibchenweise die Informationen. Da war zunächst Ickx, der ihn da rausgeschoben hätte. Wobei später bewiesen werden konnte, dass das nicht so gewesen war, aufgrund der Kamera am Ickx‘ Auto, die alles aufgezeichnet hat. Es war für mich erst Manfred Winkelhock im Rennen vorher und dann der Stefan. Das war eine harte Zeit. Aber ich habe auch nur mitbekommen, was ich in den Zeitungen gelesen habe. Es war erschütternd, ja.

StefanBellofOfficial: In der Saison 1986 hätte Stefan Porsche in Richtung Formel 1 im Ferrari mit einem Werksvertrag verlassen. Manche sagen, es hätte dann eine Bellof-Ära statt einer Schumacher-Ära gegeben. Wie schätzen Sie derartige Aussagen ein?

Norbert Singer: Ich hasse eigentlich diese Spekulationen. Da kann man immer hinein interpretieren, was man gerne hätte. Wenn ich ein Fan von Stefan Bellof bin, sage ich es natürlich so. Bin ich ein Fan von Michael Schumacher, dann sage ich, Schumacher hat ganz andere Talente gehabt. Wobei ich mit Schumacher nie gearbeitet habe, aber ich habe ihn ein bisschen kennengelernt. Von daher wage ich kein Urteil. Auch habe ich größtenteils nur von anderen gehört, wie Schumacher arbeitet. Und wenn ich das so vergleiche, dann war seine Arbeitsweise eine andere als die von Stefan Bellof. Vielleicht wäre das aus Bellof auch geworden, wenn er – und das ist alles wieder nur Spekulation – zu seiner Schnelligkeit seine Lernfähigkeit behalten hätte – er konnte es ja nicht mehr zeigen – und diese Dinge entsprechend in die Tat umgesetzt hätte, um das Team in die Richtung zu bekommen, wie es Schumacher getan hat. Das ist alles Spekulation. Ich versuche da, am Boden zu bleiben.

StefanBellofOfficial: Ihr Schlusssatz zum Ende des Intveriews?

Norbert Singer: Ich finde es toll, dass Sie sich darum bemühen, sein Erbe wachzuhalten. Bei vielen verläuft das irgendwo im Sand, dann gibt es mal einen runden Jahrestag oder sowas: „Der ist vor 20, 40 Jahren verunglückt.“ Da finde ich es gut, dass man das so am Leben hält. Und dass ist es auch wert.

StefanBellofOfficial: Vielen Dank für das Interview.

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